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9.9.2010 : 19:47

Tourismus

Die Sage um das Kranzelreiten

Zu den schönsten Bräuchen Kärntens zählt das Kranzelreiten in Weitensfeld im Gurktal, das jährlich zu Pfingsten abgehalten wird.

Um 1567 soll der Sage nach im Markt Weitensfeld die Pest gewütet haben. Nur drei Bürgersöhne des Marktes Weitensfeld und das Burgfräulein aus dem Schloß "Thurnhof" in Zweinitz sollen von der Seuche verschont geblieben sein. Dieses Burgfräulein forderte die drei Bürgersöhne, die um ihre Hand anhielten, zu einem Wettlauf auf. Dem Sieger reichte sie die Hand zum Lebensbund.

Daraus entstand das Kranzelreiten in Weitensfeld als Erinnerungsbrauch an die Begebenheit und muß alljährlich abgehalten werden. Es darf nie vernachlässigt werden, noch ausbleiben. Selbst in den schwersten Kriegsjahren, wo es großen Mangel an Roß und Reiter gab, wurde das Fest traditionsgemäß, wenn auch nur in bescheidenem Ausmaß, abgehalten. Würde es einmal ausbleiben, so bricht der Sage nach Unheil über den Markt herein. Die Sage erzählt, daß anläßlich eines solchen Falles in der Nacht die Pesttoten geritten kämen und frühmorgens die Weitensfelder auf die von Huftritten aufgewühlte Marktstraße blicken könnten.

 

 

Kranzelreiten 2008
Kranzelreiten 2008
Trachtenmusikkapelle Zweinitz
Trachtenmusikkapelle Zweinitz

 

Ablauf des Kranzelreitens

Das Fest spielt sich in zwei Teilen ab, und zwar am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag. Abwechselnd stellen jeweils Hausbesitzer des Marktes Weitensfeld die drei Läufer, die für ihren Einsatz von ihren Stellern eine Geldgeschenk erhalten.

Eingeleitet wird das Fest am Pfingstsonntag mit der Zusammenkunft der Kranzelreiter im sogenannten "Herzelehof" im Unteren Markt in Weitensfeld.

Jeweils um 12.00 Uhr werden die Kranzelreiter von der Trachtenkapelle Zweinitz am Marktplatz abgeholt und es erfolgt - nach Aufstellung der Marktfreyung im Oberen Markt - der Weiterritt,  abwechselnd von Jahr zu Jahr nach Zweinitz (Schloß Thurnhof) oder Altenmarkt. Mit diesem Ausritt werden die Bewohner aus der Umgebung zum Kranzelreiten nach Weitensfeld geladen.

Nach der Rast und einigen gesungenen G'stanzeln reiten die Kranzelreiter wieder nach Weitensfeld zurück und es folgt ab etwa 15.00 Uhr das G'stanzelsingen im Markt Weitensfeld von Haus zu Haus.

 

ORF Moderator Arnulf Prasch und GR Peter Bretis
ORF Moderator Arnulf Prasch und GR Peter Bretis
Kranzelreiter
Kranzelreiter

 

Für den Pfingstmontag, an dem gleichzeitig ein großer Jahrmarkt in Weitensfeld stattfindet, treffen sich die Reiter um 13 Uhr wieder an gewohnter Sammelstelle.

Die steinerne Jungfrau, das Wahrzeichen des Kranzeltreitermarktes Weitensfeld, wartet wie alljährlich gelduldig, festlich geschmückt, mit Kleid und roter Schärpe,  in der linken Hand einen Schlüsselbund, in der rechten eine Pfingstrose, auf den Sieger, der aus dem Wettlauf um den Kuß der Jungfrau hervorgehen wird.

Mit 3 Salutschüssen wird um 14.00 Uhr das Kranzelreiten und dem Wettlauf um den Kuß der Jungfrau eingeleitet.

Die Trachtenkapelle Zweinitz marschiert, gefolgt vom Marktrichter, den Ehrengästen und der Tachtengruppe Weitensfeld vom Oberen zum Unteren Markt, wo sich die Kranzelreiter an den Zug anschließen.

Vor dem Beginn des "Kranzelreitens" erfolgt die Begrüßung der Ehrengäste, denen von den Kranzelreitern auch einige G'stanzeln gesungen werden.

Hernach reiten unter Musikbegleitung die Kranzelreiter in den Oberen Markt.

  

Trachtengruppe
Trachtengruppe
Schuhplattlergruppe
Schuhplattlergruppe

 

Von dort reitet die Reiterschar auf ihren geschmückten Pferden dreimal die Strecke vom oberen Markt bis zur Jungfrau im Galopp durch (Austreibung der Pest). Nach dem dritten Ritt am oberen Marktplatz wieder angelangt, sammeln sich die Reiter und reiten unter Vorantritt der Musikkapelle zum Gemeindehaus.

Dort wird angehalten und die drei bereits wartenden Läufer nehmen zwischen der Musikkapelle und den Reitern Aufstellung, gleichzeitig wird die Bestestange - auf der sich die Beste für die Läufer befinden - einem Reiter übergeben.

Die Läufer  sind ganz in weiß gekleidet und mit einer roten Schärpe von links nach rechts über der Brust und Schulter geschmückt.

Der Zug setzt sich zum unteren Marktplatz in Bewegung. Bei der Jungfrau angelangt wird ein Kreis gebildet, in dessen Mitte die drei Läufer aufgestellt zum Wettrennen warten.

Vor dem Wettlauf um den Kuß der Jungfrau reiten drei Reiter im gestreckten Galopp die Marktstraße von unteren zum oberen Markt und machen so die Straße für die drei Wettläufer frei.

Als Höhepunkt des Kranzelreitens folgt hernach der Wettlauf um den Kuß der Jungfrau.

 

Jungfrau
Jungfrau
Siegläufer Christopher Wintschnig
Siegläufer Christopher Wintschnig

 

Der Sieger des Wettlaufes wird vom Pferd des aus dem vorherigen Ritt der drei Reiter hervorgegangene Siegers, rechts und links flankiert von den 2. und 3. Läufer gefolgt von der weiteren Kranzelreiterschar, voran die Musikkapelle, zum unteren Platz, zur Jungfrau am Marktbrunnen.

Dort erfolgt die Vereilung der Beste an die Läufer durch den Bürgermeister.  

Der Sieger erhält ein Kranzl, ein Seidentüchl und ein Paar Strümpfe, der Zweite ein Wolltüchl, ein Paar Strümpfe und ein Myrtensträußl und der Letzte ein Büschl Schweineborsten, ein Kattuntüchl und ein Paar Strümpfe.

Anschließend steigt der Sieger mit Hilfe einer bereitgestellten Leiter auf den Brunnensockel, wo er die Jungfrau umarmt und küsst. Die Läufer schenken die Tüchl, Kranzl oder Sträußl,  die Sie als Beste bekommen haben, an die von Ihnen ausgewählten Mädchen. Zum Abschluß tanzen die Läufer mit den Mädchen vor dem Gedenkbrunnen den Walzer "Jungfrauenkuss" (Gurktalerwalzer), welcher eigens dafür komponiert wurde.

 

Sieger des Wettlaufes Christopher Wintschnig und Tänzerin Katrin Foditsch
Sieger des Wettlaufes Christopher Wintschnig und Tänzerin Katrin Foditsch
Tänzerinnen: Stefanie Allmann, Katrin Foditsch und Sarah Tamegger
Tänzerinnen: Stefanie Allmann, Katrin Foditsch und Sarah Tamegger
Läufer: Christopher Wintschnig, Michael Schusser und Manuel Prodinger
Läufer: Christopher Wintschnig, Michael Schusser und Manuel Prodinger
Marktrichter: Dir. Josef Leitgeb und Bgm. Dkfm. Heinz Hochsteiner
Marktrichter: Dir. Josef Leitgeb und Bgm. Dkfm. Heinz Hochsteiner

 

Nach Beendigung des Gurktalerwalzers erfolgt der Abmarsch der Mitwirkenden und entlang der Marktstraße zum oberen Markt, wo sich der Zug auflöst und die Teilnehmer, gemeinsam mit den stets sehr zahlreich erschienenen Zuschauern, das Pfingstfest bei Speis, Trank und Tanz, ausklingen lassen.